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Regulatorische Updates für die Medizinprodukte-Branche

Teil 1: Fachkräftemangel – na und?

Industrieverbände klagen über einen eklatanten Fachkräftemangel in Deutschland. Laut mancher Studie droht dem Land gar der wirtschaftliche Stillstand in nicht allzu ferner Zukunft. Auch in der Medizinprodukte-Branche werden dringend Spezialisten gebraucht, um Wachstumspotenziale nutzen zu können und um mit immer schwierigeren Rahmenbedingungen zurecht zu kommen. Was ihre Personalsituation betrifft, haben deutsche Medizinprodukte-Hersteller trotzdem allen Grund, optimistisch zu sein. Die für Arbeitnehmer äußerst interessante Branche hat vergleichsweise gute Chancen, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden.

Der Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed) hat sich in seiner Herbstumfrage 2017 bei seinen Mitgliedern umgehört. Für diese sind gut ausgebildete Fachkräfte nach wie vor eines der wichtigsten Argumente für den Standort Deutschland. Dennoch haben 88 % offene Stellen zu besetzen. Sie suchen vermehrt Ingenieure (38 %), aber auch Medizintechniker (32 %), Wirtschaftswissenschaftler (24 %), Mediziner (10 %) und Informatiker (9 %). 76 % der Unternehmen geben an, sich bei der Besetzung der offenen Stellen schwer zu tun. Vor allem für Vertrieb (38 %), Regulatory Affairs (17 %) und das Key Account Management (15 %) sind gute Leute nicht einfach zu finden. Anderen mangelt es an Kandidaten fürs gehobene Management (14 %) und für Marketing/Kommunikation (14 %).

Medizintechnik – der Mitarbeiter-Magnet

Dabei ist die boomende Branche dank günstiger Marktprognosen aus Mitarbeiter-Sicht ein echter Magnet. Ihre Umsätze wachsen laut BVMed weltweit nach wie vor, 2017 um 5,9 %. Die hohe Innovationskraft und vielfältige Betätigungsmöglichkeiten machen die Medizintechnik zu einem der attraktivsten Arbeitsumfelder überhaupt. Die Berufsaussichten in diesem Bereich schätzen 91 % der Unternehmen nach wie vor als gut oder sogar besser als im Vorjahr ein. Hinzu kommt, dass die Medizintechnik-Unternehmenslandschaft in Deutschland von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt ist, die laut einer Umfrage des Personaldienstleisters Randstadt als Arbeitgeber deutlich beliebter sind als Großkonzerne.

Echter Ingenieursmangel oder verpasste Chancen?

Trotzdem werden gebetsmühlenartig immer wieder der Fachkräftemangel und seine Ursachen genannt, wenn es darum geht, nicht besetzte Stellen zu beklagen. Da sei vor allem der demographische Wandel, wegen dem heute schon der Ingenieursnachwuchs ausbliebe. Was die Bundesagentur für Arbeit (BfA) in ihrer Fachkräfteengpassanalyse 2017 nicht bestätigt. Laut der Erhebung sind zwar Expertenstellen heute deutlich länger vakant, bis zu 149 Tage im Bereich Softwareentwicklung und Programmierung. Andererseits stehen 100 offenen Stellen in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik rechnerisch 174 arbeitslose Experten gegenüber. Bis 2020 drängen außerdem überdurchschnittlich viele Absolventen in die Betriebe, dank doppelter Abiturjahrgänge und entfallener Wehrpflicht. Ingenieursmangel? Oder eher viele verpasste Chancen, ältere Arbeitnehmer und den Nachwuchs mit geeigneten Aus- und Fortbildungsprogrammen aufs eigene Business zu branden?

Wie Medizintechnik-Unternehmen Mitarbeiter gewinnen und binden können

Ein ernst zu nehmendes Problem ist der internationale „War for Talents“. Über 4 Millionen Deutsche arbeiten im Ausland, 84% davon haben einen akademischen Abschluss. Viele von ihnen gehen weg, weil sie hierzulande nur befristete Verträge angeboten bekommen. Verschenktes Potenzial sind auch die vielen hoch qualifizierten Frauen und Mütter, die durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Betriebe (zurück) geholt werden könnten – da sind sich Wirtschaft und Politik ausnahmsweise einmal völlig einig.

Bei alledem ist nicht nur die Politik gefragt, sondern die Unternehmen selbst. Mit attraktiven Verträgen, guter Bezahlung, mehr flexiblen Jobmodellen, die dem Lebensstil und der Lebensplanung der Arbeitnehmer entgegen kommen und Mentoring-Programmen für den Nachwuchs können Medizinprodukte-Hersteller geeignete Bewerber ansprechen. Wichtige Bestandteile erfolgreicher und nachhaltiger Personalentwicklung sind auch die Qualifizierung im Beruf und regelmäßige Fortbildung. Sie bringen gezielt die Spezialisten hervor, die das Unternehmen braucht und stellen Mitarbeitern berufliche Sicherheit und Erfolg in Aussicht.

Lesen Sie die folgenden Beiträge zu unserer Serie „Medizintechnik – Jobs mit Zukunft“:

Teil 2: Der Manager Regulatory Affairs – Wegbereiter für die Marktzulassung

Hier erfahren Sie alles über den Aufgabenbereich, die Voraussetzungen und Aussichten des Managers Regulatory Affairs und wie Sie den passenden Mitarbeiter für Ihr Unternehmen finden.

Teil 3: Der Qualitätsmanager – Quarterback der Medizintechnik

Der Qualitätsmanager in der Medizintechnik ist verantwortlich dafür, wie gut unternehmerische Prozesse mit den Anforderungen an Patienten- und Anwendersicherheit harmonieren und trägt damit wesentlich zum Erfolg eines Produktes und zur Kundenzufriedenheit bei.

Birgit Klusmeier

Birgit Klusmeier

Manager Medical Devices and Healthcare Training

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